Umsatzsteuerfalle bei Immobilieninvestitionen

Grundsätzlich kann jeder Steuerpflichtige eine Entscheidung über die Zuordnung eines Gebäudes zum unternehmerischen Bereich (Vorsteuerabzug!), zum privaten Bereich oder auch zum Bereich der steuerfreien Vermietung (in den letzteren Fällen kein Vorsteuerabzug) treffen. Bei Investitionen rund um Immobilien kann es sinnvoll sein, die Gebäude dem unternehmerischen Bereich zuzuordnen, um die enthaltene Vorsteuer geltend zu machen.

Doch Achtung: Unternehmer, die ein Gebäude neu errichten und erstmals einer Nutzung zuführen, müssen sich bereits bei Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen festlegen, welcher konkreten Nutzung das Objekt zugeführt werden soll. Soll das Gebäude unternehmerischen und privaten Zwecken dienen, muss der Umfang der jeweiligen Nutzung genau feststehen. Die Zuordnungsentscheidung hat endgültige Auswirkungen auf den Umfang der Inanspruchnahme von Vorsteuer, die nur für den unternehmerisch genutzten Teil des Gebäudes in Anspruch genommen werden kann.

Dies hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 06.08.2008, 6 K 2333/06, entschieden und bleibt damit der bis dato eingeschlagenen Linie der Finanzverwaltung treu.

Entschieden wurde folgender Fall: Der Kläger, der nebenberuflich eine umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit als Buchführungshelfer ausübte, hatte ein Einfamilienhaus errichtet. In den Umsatzsteuervoranmeldungen, die er für seine unternehmerische nebenberufliche Tätigkeit beim Finanzamt einreichte, hatte er Vorsteuerbeträge aus den Baurechnungen nicht geltend gemacht. Dies wollte der Kläger im Rahmen seiner Umsatzsteuerjahreserklärung nachholen und erklärte sodann die Absicht, die Kellerräume des neuen Gebäudes für seine nebenberufliche unternehmerische Tätigkeit zu nutzen.

Das Finanzamt lehnte den begehrten Vorsteuerabzug ab. Zum Zeitpunkt der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen sei nicht erkennbar gewesen, dass der Kläger einen Teil der Bauleistungen dem unternehmerischen Bereich habe zuordnen wollen. Auch aus Planungsunterlagen oder dem Bauantrag habe sich die Absicht einer unternehmerischen Nutzung der Kellerräume nicht ergeben. Der Unternehmer hätte aber sofort bei Bezug der in Rechnung gestellten Bauleistungen nach außen dokumentieren müssen, ob und inwieweit er die Leistungen für sein Unternehmen mit der Konsequenz eines Vorsteueranspruchs habe beziehen wollen. Mit der Umsatzsteuerjahreserklärung könne die in den Umsatzsteuervoranmeldungen nicht geltend gemachte Vorsteuer nicht mehr nachträglich eingefordert werden.

Fazit

Wer zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen verpflichtet ist, muss aufpassen, nicht in diese Umsatzsteuerfalle zu „tappen“: Soweit eine Pflicht zur Einreichung von Umsatzsteuervoranmeldungen besteht, muss die Zuordnung von bezogenen Leistungen zum unternehmerischen Bereich bereits mit der Umsatzsteuervoranmeldung getroffen werden. Eine Korrektur der Zuordnung ist im Rahmen der Umsatzsteuerjahreserklärung nicht mehr ohne weiteres möglich. Wer zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen nicht verpflichtet ist, hat mehr Zeit, die Zuordnungsentscheidung zu treffen, da er die Vorsteuerbeträge erst mit der Umsatzsteuerjahreserklärung beim Finanzamt geltend macht.

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