Gewinn aus Veräußerung einer Call-Option

Es entspricht einem noch bis zur Einführung der Abgeltungssteuer 2009 maßgeblichen, allerdings durch gewichtige Ausnahmen durchbrochenen, Grundprinzip des deutschen Steuerrechts, dass Veräußerungsgewinne im Privatvermögen nicht steuerpflichtig sind. Eine bedeutsame Ausnahme besteht für sog. wesentliche Beteiligungen. Die Besteuerung knüpft in diesem Fall in der Regel daran an, dass der Veräußerer an einer Kapitalgesellschaft mit mindestens 1% beteiligt war. Der Bundesfinanzhof hat nun in einer Entscheidung vom 19. Dezember 2007 (VIII R 14/06) darauf erkannt, dass eine Call-Option, die zum Erwerb von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft berechtigt, einer wesentlichen Beteiligung insoweit gleich stehen kann. Dies gilt, wenn und soweit sie die wirtschaftliche Verwertung des bei der Kapitalgesellschaft eingetretenen Zuwachses von Vermögenssubstanz ermöglicht. Das ist typischerweise der Fall, wenn ein Festkaufpreis vereinbart ist. Was dies im Einzelnen für die Besteuerung derartiger rein schuldrechtlicher Positionen bedeutet, ist noch nicht abzusehen.

Möglicherweise könnte bereits die Ausübung der Call-Option als steuerpflichtige Veräußerung gesehen werden, weil diese gegen Anteile eingetauscht wird. Vermutlich wird die Finanzverwaltung allerdings so weit nicht gehen, sondern – ähnlich wie bei Wandelanleihen – in diesen Fällen von einer steuerpflichtigen Gewinnrealisierung absehen. Bedeutung hat die Entscheidung auch nach Einführung der Abgeltungssteuer ab 2009, weil Gewinne aus der Veräußerung wesentlicher Beteiligungen zu 60 % dem normalen progressiven Tarif unterliegen werden. Sonstige Optionsgeschäfte werden hingegen in der Regel der Abgeltungssteuer von 25 % unterworfen, bei der Kosten nur sehr eingeschränkt geltend gemacht werden können.

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