Tax Compliance – Management steuerlicher Risiken

Der englische Begriff „Tax Compliance“ bezeichnet im Wortsinn die Beachtung geltender Steuergesetze und die Erfüllung steuerlicher Pflichten. Ziel jeder Tax Compliance-Strategie ist die Minimierung steuerlicher Haftungsrisiken. Hiervon zu unterscheiden ist die Steueroptimierung, mittels derer die Steuerbelastung so niedrig wie möglich gehalten werden soll. Neben der Vermeidung von steuerlichen Haftungsrisiken geht es bei der Tax Compliance insbesondere auch um die Vermeidung steuerstrafrechtlicher Risiken. Eine erfolgreiche Tax Compliance ermöglicht es auf der einen Seite, mittels Steueroptimierung eine möglichst geringe Steuerbelastung zu erreichen, ohne dass dabei auf der anderen Seite steuerstrafrechtliche Tatbestände verwirklicht werden.

In der tatsächlichen Umsetzung erfordert Tax Compliance, dass eindeutige Funktions-, Informations- und Überwachungssysteme bestehen. So muss zunächst entschieden werden, wer unternehmensintern für die Anwendung der Steuergesetze verantwortlich ist. Zur Anwendung der Steuergesetzgebung gehört auch die Beratung, in welcher Weise die Steuergesetze anzuwenden sind. Infolgedessen ist die Auswahl der (unternehmensinternen oder externen) steuerlichen Berater Bestandteil der Tax Compliance. Zur Tax Compliance gehört da rüber hinaus die Frage, woher die Informationen über die maßgebenden Steuergesetze und ihre Auslegung sowie über neue Rechtsprechung und Verwaltungsvorschriften stammen und wie deren Kenntnisstand stets aktualisiert werden kann. Somit muss durch den Steuerpflichtigen also auch entschieden werden, welche Informationssysteme eingesetzt werden.

Unternehmensinterne Überwachungssysteme dienen wiederum nicht nur der Wahrung von Deklarations- und Zahlungspflichten und dem Einhalten von Fristen. Bestandteil dieser kann vielmehr bspw. auch die Prüfung der Angemessenheit von Zahlungen an ausländische Geschäftspartner im Rahmen bestehender Leistungsbeziehungen sein.

Beispielhaft seien einige Bereiche erwähnt, in denen Tax Compliance von besonderer Bedeutung ist:

  • Ein wichtiger Bereich von Tax Compliance sind die Ertragsteuern. Diese bedürfen hinsichtlich ihrer Erklärung und Festsetzung der ständigen Überprüfung. Angesprochen seien hier beispielhaft die ordnungsgemäße Überwachung der Besteuerungsgrundlagen wie bspw. der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Bei Kapitalgesellschaften sind z.B. verdeckte Gewinnausschüttungen und verdeckte Einlagen zu beachten. Das Gleiche gilt für die Einhaltung der steuerlichen Dokumentationspflichten, insbesondere bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen.
  • Die zeitnahe Beweisvorsorge zur Sicherstellung des Vorsteuerabzugs bzw. der Umsatzsteuerfreiheit ist wichtiger Bestandteil der Tax Compliance. Tax Compliance beschäftigt sich außerdem mit der Beratung und Vertretung in Umsatzsteuersonderprüfungen und mit der Umsatzsteuerhaftung für Dritte.
  • Ein weiterer Bestandteil der Tax Compliance ist die Durchführung von Betriebsprüfungen. Ein Aspekt der Vorbereitung einer Betriebsprüfung ist die Frage, ob bestimmte Steuernachlässigkeiten zu berichtigen sind, d.h. ob ggf. eine Selbstanzeige notwendig ist. Um dies entscheiden zu können, muss klar sein, unter welchen Bedingungen und bis zu welchem Zeitpunkt Selbstanzeigen erstattet werden können.
  • Schließlich sind für die Mitarbeiter eines Unternehmens für bestimmte Situationen genaue Verfahrensrichtlinien aufzustellen, bspw. bei einem Steuerfahndungseingriff. Für diesen Fall muss eindeutig geregelt sein, welcher Mitarbeiter als zentraler Ansprechpartner gegenüber den Finanzbehörden fungiert. Des Weiteren muss geklärt werden, ob und wie das Unternehmen reagiert, wenn die Steuerfahndung im Rahmen einer Durchsuchung einzelne Mitarbeiter vernimmt. Schließlich ist festzuhalten, wie das Unternehmen damit umgeht, wenn die Steuerfahndung betriebsnotwendige Unterlagen oder Datenträger beschlagnahmt und mitnehmen will.

Fazit

Vor dem Hintergrund sich stetig ändernder steuerlicher Rahmenbedingungen sowie des erreichten Komplexitätsgrades unseres Steuersystems erfordert die Einhaltung steuerrechtlicher Vorschriften ein hohes Maß an Spezialwissen sowie einen hohen Organisationsgrad. Tax Compliance soll einerseits den inhaltlichen Gegenstand zu überwachender und einzuhaltender steuerrechtlicher Regelungen definieren und andererseits ein entsprechendes Organisationssystem implementieren.

Kontakt für weitere Infos

Dr. Felix Reiche

Dr. Stefan Rogge