3. Leistungsbeschreibung

Streitigkeiten bei einem IT-Outsourcing-Projekt resultieren häufig aus einer unzureichenden technischen Leistungsbeschreibung im Vertrag. Bei der Gestaltung des Outsourcing-Vertrags ist daher die Spezifikation der geschuldeten Leistungen von entscheidender Bedeutung. Die vertraglichen Rechte des Auftraggebers und die Pflichten des IT-Dienstleisters hängen wesentlich davon ab, ob die geschuldeten Leistungen vollständig und verständlich beschrieben sind. Sowohl bei der Einführung von Individualsoftware als auch bei der Implementierung und dem Customizing von Standardsoftware ist zu beschreiben, welche Eigenschaften, Funktionalitäten und Schnittstellen das System im Einzelnen haben soll. Anhand dieser Soll-Beschaffenheit der Software ist zu bestimmen, welche Leistungen für den vereinbarten Preis geschuldet werden.

Damit ist die Leistungsbeschreibung Grundlage für eine eventuelle Abnahme der Leistungen. Im weiteren Projektverlauf hängt die Abgrenzung zwischen Fehlern, die im Rahmen der Gewährleistung vom IT-Dienstleister behoben werden müssen, und Changes, die vereinbart und vom Auftraggeber zusätzlich zu vergüten sind, davon ab, welche Eigenschaften und Funktionen spezifiziert worden sind. Auch Service Levels lassen sich nur daran messen, welche Leistung vertraglich geschuldet ist. Vor diesem Hintergrund ist schon im Rahmen der Projektplanung von Seiten der am Projekt beteiligten IT-Verantwortlichen ein Blueprint zu erstellen, das als Leistungsbeschreibung Eingang in das Vertragswerk findet.

Es kann dahin stehen, ob das in den Vertrag einbezogene Dokument als "Pflichtenheft", "Lastenheft", "Fachkonzept", "Leistungsbeschreibung", "Feinkonzept" oder auch "Spezifikation" bezeichnet wird. Wichtig ist, dass die im weiteren Projektverlauf von den Vertragsparteien zu erfüllenden Pflichten und Verantwortlichkeiten darin vollständig, verständlich und widerspruchsfrei beschrieben sind. Eine vollständige technische Leistungsbeschreibung sollte grundsätzlich alle Anforderungen des Auftraggebers enthalten, die der Auftraggeber nicht der Entscheidung des IT-Dienstleisters überlassen will und die nicht eindeutige, allgemein anerkannte Regeln der Technik sind.

Eine Empfehlung für die Ausgestaltung von Softwareanforderungsdokumenten ist in allgemeinen Normen wie z. B. der IEEE 830 (IEEE/ISO/IEC 29148-2011) standardisiert. Danach sind im Wesentlichen folgende Punkte zu spezifizieren:

  • Funktionalität (was soll die Software können)
  • Schnittstellen zu Hardware und anderer Software
  • Performance (Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Antwortzeiten, etc.)
  • Eigenschaften (Portabilität, Wartung, Sicherheit, etc.)
  • Implementierung

Bei der Beschreibung der Leistung ist zu prüfen, ob darüber hinaus weitere Punkte im konkreten Projekt kritisch sind und welche Detailtiefe bei der Beschreibung sachgerecht ist.

Parixstipp

Vor Vertragsschluss ist eine Spezifikation der von dem IT-Dienstleister geforderten Leistungen zu erstellen, die in Form einer Leistungsbeschreibung zum Vertragsgegenstand gemacht werden sollte. Die Ausarbeitung kann auch mit Hilfe spezialisierter Beratungsunternehmen erfolgen. Auf vorformulierte Leistungsbeschreibeungen des IT-Dienstleisters sollte verzichtet werden.

Kontakt für weitere Infos

Olaf Gelhausen
Dr. Stephan Bauer, LL.M.
Dr. Frank Bongers
Gerrit Dahle
Dr. Karsten Krupna

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