8. Exit

Wird ein IT-Projekt beendet, stellen Auftraggeber häufig fest, dass der Vertrag außer zur Kündigung keine weiteren Regelungen über die Beendigung der Zusammenarbeit enthält. Das ist deshalb problematisch, weil der Auftraggeber einen anderen IT-Dienstleister beauftragen (2nd Generation Outsourcing) oder die Leistungen wieder im eigenen Haus erbringen wird (Insourcing oder Backsourcing) und hierfür natürlich die ausgelagerten sowie sämtliche während der Vertragslaufzeit angefallenen Daten und Datenbanken von dem IT-Dienstleister benötigt. Darüber hinaus ist die Einführung und Überleitung des Betriebs auf einen Dritten oder eigene Ressourcen genauso komplex, wie es bereits die Überleitung auf den bisherigen IT-Dienstleister war.

Der Auftraggeber hat znächst vordringlich ein Interesse daran, dass der IT-Dienstleister bis zur vollständigen Rückübertragung ausgelagerter Dienste - trotz der Kündigung oder Vertragsbeendigung - weiterhin seine Leistungen erbringt. Andernfalls stehen gegebenenfalls unternehmensrelevante Arbeitsprozesse des Auftraggebers bis zur erfolgreichen Rückübertragung still. Hauptziel des Auftraggebers ist sodann, seine Daten zurückzuerhalten und sie schrittweise auf ein neues System zu überführen oder - sollte das Scheitern des IT-Outsourcing-Projekts der Grund für die Rückübertragung sein - einen betriebsfähigen Systemzustand wiederherzustellen. Dies erfolgt in folgenden Schritten:

  • Identifikation der relevanten Daten
  • Export
  • Datenübertragung
  • Import
  • Betrieb auf dem neuen System

Diese Prozesse erfordern umfangreiche Mitwirkungshandlungen des bisherigen IT-Dienstleisters. Selbstverständlich kann sich der IT-Dienstleister auch ohne entsprechende Regelung im IT-Outsourcing-Vertrag bereit erklären, die vorgenannten oder weitere Leistungen zu erbringen. In diesen Fällen wird der IT-Dienstleister seine Position nach der Kündigung und die Abhängigkeit des Autraggebers dann jedoch zu seinem Vorteil ausnutzen und hohe Preise für seine Mitwirkungsleistungen oder die vorherige Begleichung streitiger Zahlen verlangen. Die Abhängigkeit von der Bereitschaft des IT-Dienstleisters, an der Übertragung mitzuwirken, gilt es durch möglichst detaillierte Regelungen im IT-Outsourcing-Vertrag zu vermeiden.

Praxistipp

Bei Vertragsschluss werden nicht alle Themen vorhersehbar sein, die für den Fall einer Rück- oder Weiterübertragung zu regeln wären, beispielsweise welche Daten herauszugeben sind und wie die Migration erfolgen soll. Mindestens aber sollte eine vertragliche Verpflichtung zu Mitwirkungsleistungen zu einem konkreten Stundensatz vereinbart werden, um eine ordnungsgemäße Überleitung des IT-Betriebs zu ermöglichen und das Risiko erheblicher Kosten für die Mitwirkung des IT-Dienstleisters zu vermeiden.

Kontakt für weitere Infos

Olaf Gelhausen
Dr. Stephan Bauer, LL.M.
Dr. Frank Bongers
Gerrit Dahle
Dr. Karsten Krupna