Esche Schümann Commichau

Reward-based Crowdfunding – umsatzsteuerliche Implikationen

Das Reward-based Crowdfunding – auch als klassisches Crowdfunding bezeichnet – dient der Realisierung von Unternehmensideen über das Internet. Dabei steht nicht nur die Finanzierung von Produkten und Projekten von Start-ups durch eine Vielzahl von Geldgebern im Vordergrund. Vielmehr werden Crowdfunding-Plattformen auch als Marketinginstrument genutzt, um u. a. bestimmte Zielgruppen zur Verbreitung eines neuen Produkts anzusprechen und die eigene Marke weiter bekannt zu machen.

Vereinfacht läuft das Reward-based Crowdfunding wie folgt ab: Auf einer Crowdfunding-Plattform stellt ein Unternehmen bspw. ein neues Produkt vor. Geldgeber können sich bereit erklären, das Produkt zu einem festgelegten Preis abzunehmen. Das Unternehmen definiert im Vorfeld ein Projektvolumen, d. h. wie viele Produkte abgenommen werden müssen, damit überhaupt eine Produktion erfolgt. Wird das Projekt realisiert, zieht die Plattform die Beiträge der Geldgeber ein und leitet sie gemeinsam mit deren Daten an das Unternehmen weiter, das die Produkte dann produziert und an die Geldgeber liefert.

Aus umsatzsteuerlicher Sicht liegt jeweils eine Warenlieferung des Unternehmens an den jeweiligen Geldgeber vor. Da die Crowdfunding-Plattform grundsätzlich jedem offensteht, können die Geldgeber nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem EU-Ausland und dem Drittland stammen und sowohl Unternehmer als auch Nicht-Unternehmer sein. Somit kommen diverse umsatzsteuerliche Szenarien in Betracht. Lieferungen an inländische Empfänger erfolgen grundsätzlich unter Ausweis deutscher Umsatzsteuer. Lieferungen an im EU-Ausland ansässige Unternehmer stellen unter gewissen Voraussetzungen steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen dar. Bei Lieferungen an Nicht-Unternehmer im EU-Ausland verlagert sich beim Überschreiten bestimmter Lieferschwellen der Lieferort im Rahmen der sog. „Versandhandelsregelung“ in einen anderen EU-Staat, was eine dortige umsatzsteuerliche Registrierung des deutschen Unternehmens erfordert. Lieferungen an Unternehmer und Nicht-Unternehmer im Drittland stellen unter gewissen Voraussetzungen steuerfreie Ausfuhrlieferungen dar.

Je nachdem, welcher der dargestellten Fälle vorliegt, sind Aspekte wie Rechnungspflichtangaben, Zeitpunkt des Entstehens der Steuer, Ausstellungszeitpunkt der Rechnung oder weitere Meldeverpflichtungen zu beachten, die sich möglicherweise nicht ausschließlich nach deutschem Umsatzsteuerrecht richten.

PRAXISTIPP

Das Reward-based Crowdfunding kann zu verschiedenen umsatzsteuerlichen Konstellationen führen, die differenziert zu behandeln sind und sich ggf. auch nach ausländischem Umsatzsteuerrecht richten. Da diese Konstellationen erst mit Bereitstellung der Daten der Geldgeber durch die Crowdfunding-Plattform bekannt werden, besteht möglicherweise ein kurzes Zeitfenster für die Umsetzung umsatzsteuerlicher Vorgaben. Insoweit empfehlen wir, bereits vor Beginn einer Crowdfunding-Aktion umsatzsteuerliche Aspekte im Detail zu analysieren. Insbesondere bei Lieferungen an Nicht-Unternehmer im EU-Ausland sollte zeitnah eine Prüfung des etwaigen Überschreitens einer Lieferschwelle erfolgen, um frühzeitig eine ggf. erforderliche Registrierung in einem anderen EU-Staat vorzunehmen. Andernfalls besteht das Risiko, neben einer etwaig zutreffend geschuldeten ausländischen Umsatzsteuer auch deutsche Umsatzsteuer abführen zu müssen. Die Projektfinanzierung kann in solchen Konstellationen empfindlich belastet werden.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. Ich stimme zu